Vevey (CH)
Biennale Images Vevey
05. – 27.09.2026
Vom 5. bis 27. September 2026 feiert die Biennale Images Vevey ihre 10. Ausgabe unter dem Motto „We are family!“. Diese Jubiläumsausgabe ist dem Wiedersehen, dem Austausch und dem gemeinsamen Feiern gewidmet und präsentiert rund 50 Künstlerinnen und Künstler aus etwa 15 Ländern.
Wir sprachen mit Stefano Stoll, Gründer, Direktor und Chefkurator von Images Vevey
Warum ist Vevey die perfekte Stadt für Fotografie und ein internationales Fotofestival?
Stefano Stoll: Vevey vereint ziemlich einzigartige Voraussetzungen. Es ist eine Stadt, die tief mit dem Bild verbunden ist: Eine der ältesten Fotoschulen Europas wurde hier während des Zweiten Weltkriegs gegründet, das Schweizer Kameramuseum befindet sich hier, und die Stadt ist auch mit der Figur von Charlie Chaplin verbunden, der mehr als fünfundzwanzig Jahre hier lebte – eine Präsenz, die heute durch das ihm gewidmete Museum fortgeführt wird.
Seit den 1990er-Jahren hat sich die Stadt Vevey zudem mit dem Label des Stadtmarketings „Vevey ville d’images“ positioniert. Ein visionärer Ansatz, der die Grundlage für das Projekt Images Vevey gelegt hat, das diese Absicht konkretisiert.
Über diese Geschichte hinaus ist Vevey vor allem ein Experimentierfeld. Die Stadt bietet eine große Vielfalt an Kontexten – Uferpromenaden, Fassaden, Gärten, Industriebrachen, Keller, Dächer, See –, die es ermöglichen, Ausstellungen anders zu denken. Bei Images Vevey ist die Stadt keine Kulisse – sie ist Teil der visuellen Erfahrung.
Wie ich oft betont habe, hat Kunst das Potenzial, eine Stadt, ihre Architektur und ihre Geschichte zu verwandeln; und umgekehrt kann ein Werk im Licht seines Präsentationskontexts eine neue Interpretation finden. Genau das geschieht hier bei der Kuratierung der Projekte von Images Vevey.

Stefano Stoll © Julien Gremaud
Wann und wie begann das Images Vevey, das in diesem Jahr 10 Jahre feiert?
Stefano Stoll: Images Vevey entstand 2008 mit der Idee, die Stadt zu einem Labor zu machen, um neue Arten der Präsentation von Fotografie zu erproben.
Das Projekt ging von einer einfachen Feststellung aus: Die Fotografie entwickelt sich schnell, aber ihre Ausstellungsformen bleiben oft sehr konventionell. Es geht also darum, die frontale Beziehung zwischen Betrachter und Bild zu überwinden, um echte visuelle und physische Erfahrungen zu schaffen.
Die Formel, die das Programm seit Beginn leitet, lässt sich so zusammenfassen: ein Künstler, eine Serie, ein Ort, eine Präsentationsform … eine Geschichte.
Dieser erfahrungsbasierte Ansatz steht seit der ersten Ausgabe im Zentrum des Projekts und ist zum Markenzeichen von Images Vevey geworden.
Die diesjährige Biennial of visual arts Vevey steht unter dem Thema „Family!“. Welche Gedanken verbergen sich dahinter, und wie muss man sich den Prozess von Themenfestlegung und Auswahl der Künstler:innen vorstellen?
Stefano Stoll: Die Familie wird hier als offenes Thema verstanden, das über die biologische Bedeutung hinausgeht und Familie als affektiven, sozialen oder politischen Begriff behandelt.
Was mich an einem Thema interessiert, ist, dass es multiple Lesarten ermöglicht. Familie berührt Fragen der Abstammung, der Weitergabe, des Gedächtnisses, der Geburt, der Trauer, aber auch Formen der Zugehörigkeit oder Solidarität.
Für diese 10. Ausgabe verweist dieses Thema auch auf die Geschichte von Images Vevey, auf all die Menschen – Künstler, Publikum, Partner –, die seit den Anfängen zum Projekt beigetragen haben. In der kuratorischen Arbeit geht es immer darum, Künstler auszuwählen, deren Werke eine persönliche Sicht auf das Thema bieten, anstatt es einfach zu illustrieren.
Wie finden Sie die immer neuen Ausstellungsorte, die den besonderen Reiz des Images Vevey ausmachen?
Stefano Stoll: Die Wahl der Orte ist das Ergebnis einer ständigen Suche. Bei Images Vevey ist die Übereinstimmung zwischen einem Werk und einem Ort das, was ich oft als den entscheidenden Faktor bezeichnet habe. Entscheidend ist die narrative Beziehung, die sich zwischen einem Werk und einem urbanen Kontext herstellen lässt.
Der Kontext inspiriert. Er verändert manchmal die Bedeutung eines Bildes. Das bedeutet auch, mit zahlreichen Parametern umzugehen: architektonische Einschränkungen, Verfügbarkeit der Orte, technische Bedingungen, Wetter oder regulatorische Unwägbarkeiten. Die Programmgestaltung im öffentlichen Raum entsteht unter dem Einfluss vieler externer Faktoren, darunter die Transformationen der Stadt oder die Dynamiken des Immobilienmarktes. Doch diese Einschränkungen tragen oft auch zur Kreativität bei.
Wer entscheidet, wer wo gezeigt wird? Entscheiden die Künstler:innen, Kurator:innen oder die Oragnisator:innen, wer welchen Ort bespielt?
Stefano Stoll: Es ist immer ein Dialog. Das Programm entsteht aus dieser Beziehung zwischen einem Werk, seiner Präsentationsform und dem gewählten Ort. Das erfordert eine enge Zusammenarbeit mit den Künstlern, oft rund um maßgeschneiderte Inszenierungen.
Viele Projekte werden als Prototypen entwickelt, gemeinsam mit den Künstlern oder Partnern erarbeitet und dann an einen spezifischen Ort angepasst.
Dieser Prozess ist bei Images Vevey sehr wichtig und kann sich über mehr als zwölf Monate erstrecken. Er ermöglicht es, diese Begegnung zu gestalten und das künstlerische Anliegen aus einem neuen Blickwinkel hervorzuheben
