Linz (A)
Francisco Carolinum Linz
Ein Haus für Fotografie und Medienkunst
Mit dem Francisco Carolinum (FC) verfügt Linz über ein Haus, das sich konsequent der Fotografie und Medienkunst widmet. Als Institution des Landes Oberösterreich steht es für einen differenzierten, zeitgenössischen Umgang mit Bildmedien, mit einem besonderen Fokus auf feministische Perspektiven und die Entwicklung neuer medialer Aus- drucksformen. Das DFC (Digitales Francisco Carolinum) erweitert diesen Anspruch bis in den virtuellen Raumes gibt das Museum auch im Metaverse von Cryptovoxels.
Das Francisco Carolinum fungiert als Schnittstelle, an der sich fotografische Tradition, medienkünstlerische Gegenwart und zukünftige Bildformen begegnen. Mit wissenschaftlicher, kuratorischer und diskursiver Konsequenz wird hier ein Feld bearbeitet, dessen Grenzen längst fließend geworden sind.
Kaum ein anderes Medium wurde so beharrlich daraufhin befragt, was es eigentlich ist, worin sein spezifischer künstlerischer Eigenwert liegt und wie es sich von anderen Bildformen unterscheidet. Diese Selbstreflexivität gehört bis heute zum innersten Kern der Fotografie. Ebenso beständig ist die Frage nach dem Umgang mit der allgegenwärtigen Bilderflut: Wie unterscheiden wir zwischen Kunst und Nicht-Kunst, zwischen beiläufigem und bedeutsamem Bild, zwischen dokumentarischer Funktion und ästhetischem Anspruch?
Diese Fragen werden im Francisco Carolinum nicht nur theoretisch verhandelt, sondern auch in konkrete Ausstellungsformate übersetzt. Die Präsentationen versammeln künstlerische Positionen, die zeigen, wie Fotografie als gesellschaftliches, politisches und persönliches Medium wirkt und gewirkt hat.
Die Retrospektive von Annegret Soltau verdeutlicht beispiels- weise, wie eng fotografische Praxis mit Fragen von Körper, Identität und gesellschaftlichen Rollenbildern verbunden ist. Par- allel dazu positioniert sich Ewa Partum mit conceptual cxercises als zentrale Stimme feministischer Konzeptkunst. Mit Georg Petermichl richtet sich der Blick auf Fotografie als soziales Instrument und kollektives Gedächtnis. Die Gruppenausstellung Some Secrets on Photography widmet sich den verborgenen historischen und theoretischen Dimensionen des Mediums.
Die Hans Frank Galerie im Erdgeschoss des Francisco Carolinum ist der historischen Fotografie gewidmet. Ausgangspunkt für die Ausstellungen ist die historische Fotosammlung des Landes Oberösterreich, deren Grundstock die exquisite Sammlung von Hans Frank bildete. Als international vernetzter Sammler, Forscher und Autor trug Hans Frank mit seinem Engagement dazu bei, ein historisches Bewusstsein für das Medium Fotografie in Österreich zu schaffen. In einem Zeitraum von über 50 Jahren stellte er mit enzyklopädischem Anspruch ein historisch-biobibliographisches „Archiv der österreichischen Photographen des 19. Jahrhunderts bis zur Zeit des Ersten Weltkriegs“ zusammen. 2024 wurde die Hans-Frank-Galerie mit der Ausstellung der Sammlung von Autochromen und Frühformen von transparenten Farblichtbildern eröffnet. Seither wurden dort die Sammlungsbestände von Werken von Dora Kallmus alias Madame D’Ora sowie eine Schau zu Josephine Baker gezeigt.
Mit einem offenen Wettbewerb für künstlerische (Post-)Fotografie schärft das Francisco Carolinum sein Selbstverständnis als Plattform für fotografische Praxis. Ziel ist es, die gesamte Bandbreite fotografischer Ausdrucksformen sichtbar zu machen – von analoger Fotografie über digitale Verfahren bis hin zu KI-generierten, postfotografischen und installativen Arbeiten. Mit der Auszeichnung von Erli Grünzweil wird eine junge Position der oberösterreichischen Kunstszene sichtbar. Gleichzeitig markiert der neu etablierte Preis den Ausgangspunkt für eine langfristige Förderung zeitgenössischer Fotografie in Oberösterreich. Ergänzt wird das Projekt durch einen parallel initiierten Amateurfotowettbewerb.
Ab Herbst 2026 öffnet sich das Museum verstärkt in Richtung Medienkunst und digitale Gegenwart. Die Sammlung des Francisco Carolinum verfügt über einen umfangreichen Bestand an NFTs (Non-Fungible Tokens), die im Rahmen einer eigenen Präsentation erstmals einem breiteren Publikum zugänglich gemacht und zur Diskussion gestellt werden. Die Sammlung beinhaltet bemerkenswerte Arbeiten von Pionieren der digitalen Kunst, die die Blockchain-Technologie nutzen. Parallel dazu widmet sich eine Einzelausstellung dem Werk der österreichischen Künstlerin Claudia Larcher, die sich in ihren Arbeiten mit digitalen Bildwelten und medial konstruierten Wirklichkeiten auseinandersetzt.
Das halbjährlich erscheinende Fotomagazin „FRANCISCO CAROLINUM“ setzt einen weiteren Akzent: Ausstellungen und Kunstpositionen im Bereich Foto und Medien werden präsentiert und zur Diskussion gestellt.
