Das Leben der Lotta P. - Ein Hörspiel von Torsten Krill
Ein urbanes Fantasy-Hörspiel aus dem Audio-Untergrund
Lotta lebt zusammen mit Eva und Rob in einer WG in Stuttgart- West und studiert an der Kunstakademie. Sie schreibt eigene Songs, spielt Ukulele, probt regelmäßig mit ihrer Band „Die Kometen“ in einem Bunker am Marienplatz und arbeitet in der Bar Andromeda. Ihre Stimmung befindet sich seit Wochen auf Talfahrt, die Beziehung zu ihrem Freund Jonas H. droht zu zerbrechen, sie schreibt nur noch düstere Lieder und ihre Mutter Sandra hat ein Verhältnis mit Lottas Kunstprofessor Carsten L. Lotta ist deshalb kurz davor, ihr Studium abzubrechen, und ein „großer schwerer Stein” hat sich auf ihr Herz gelegt. Ihre zunehmend egozentristische Lebenswelt gerät aus den Fugen, und so beginnt sie vor der Realität zu fliehen und findet Zuflucht in ihren skurrilen und verwirrenden Fantasiewelten. Auch ihre Hassliebe zu Stuttgart spiegelt ihre innere Zerrissenheit wider. Nebenbei komponiert sie wie zufällig eine mystische Melodie auf ihrer Ukulele, die ihr Leben verändern wird... Die Ereignisse spitzen sich im Handlungsverlauf immer weiter zu, und Lotta kann ihre Fantasien kaum noch von ihrem realen Leben in der „Schwabenmetropole” unterscheiden. Ob sie wieder zu sich selbst finden und neuen Lebensmut gewinnen kann, davon erzählt das Hörspiel.
Das Hörspiel und der Soundtrack (frimfram collective & PulpStereo) ist ab 15.11.2024 auf allen gängigen Music Streaming Plattformen (Spotify, Deezer, Apple-, Amazon- & YouTube-Music etc.) und bei Bandcamp zu finden.
www.theaterrampe.de
Worum geht es in „Das Leben der Lotta P.“?
Torsten Krill: Es geht um das Leben einer Kunststudentin namens Lotta P. in Stuttgart und um ihre Hassliebe zur Schwabenmetropole, um ihre Selbstflucht in Fantasiewelten und ihre persönlichen Niederlagen und Krisen, um Freundschaft, Liebe, Humor und den Sinn und Unsinn des Lebens. In der Figur „Lotta P.“ und ihrer Geschichte steckt natürlich auch sehr viel Persönliches von mir. Die Erzählung über das Leben einer jungen Frau speist sich aber auch durch die Geschichten und Erlebnisse, die mir von unseren beiden erwachsenen Töchtern berichtet werden.
Was fasziniert Sie am Hörspiel, dem gesprochenen Wort und der Interaktion mit Ihrer Musik? Schon 2012 haben Sie den dt. Hörbuchpreis „Hörkules“ für die Musik zu Simon Becketts Roman „Verwesung“ erhalten. Regie führte Lutz Magnus Schäfer, gelesen hat Johannes Steck.
Torsten Krill: Schon seit meiner frühen Kindheit höre ich sehr gern und oft Hörspiele, Hörbücher und inzwischen natürlich auch viele Podcasts. Mein Opa war Kriegsblinder, und als Kind hatte ich immer wieder kurze Hörspiele und Hörbücher für ihn gemacht oder zusammen mit ihm Hörbücher aus der Blindenhörbücherei angehört.
Es liegt nahe, dass das reine Hören für sehbehinderte Menschen wie mich eine extrem große Rolle spielt. Sehr inspirierend finde ich, dass die Visualisierung der Inhalte den Zuhörenden selbst überlassen bleibt. Das ist für mich das wirklich Faszinierende daran, eben das Kino im Kopf. Hörspiele regen die eigene Fantasie und Vorstellungskraft noch mehr an als Spielfilme. Für die musikalische Vertonung eines Skripts, einer Lesung oder einer Hörspielszene braucht man in erster Linie Empathiefähigkeit, um die inhaltlichen Vorgaben entsprechend voranzutreiben, zu unterstützen oder zu kontrastieren. Diese Fähigkeit geht in unserer Gesellschaft aber immer mehr verloren. Fehlende Empathiefähigkeit bereitet den Boden für den aufkommenden Faschismus, dem man entschieden entgegentreten muss. Die Menschen sollten mehr Hörspiele vertonen ...
Sie arbeiten bereits an einem zweiten Teil?
Torsten Krill: Ja. Im Februar habe ich bereits mit den Sprachaufnahmen für den zweiten und letzten Teil des Hörspiels begonnen, und viele weitere Termine stehen schon fest. Im August 2026 wird das frimfram collective auch hierfür wieder den Soundtrack einspielen.
Wie hat sich das Leben von Lotta P. weiterentwickelt? Hat Sie Ihren Frieden mit Stuttgart und Ihrem Leben gefunden?
Torsten Krill: Lotta P. versucht weiterhin, ihr Leben trotz der sich verschärfenden politischen und zwischenmenschlichen Situation in Stuttgart zu leben. Es gibt eine Menge neuer Herausforderungen, denen sie sich stellen muss. Neue Protagonisten:innen tauchen auf. Prokrastination und Selbstflucht werden wieder Teil ihrer Lebensrealität. Ihre wilden Fantasiewelten werden zu bedrohlichen Parallelwelten.
Was hat Sie dazu bewogen diese Geschichte weiterzuschreiben?
Torsten Krill: Das allgemeine Gefühl der Unsicherheit in unserer Gesellschaft und das innere Bedürfnis, künstlerisch dazu Stellung zu beziehen, haben mich dazu bewogen, Lottas Geschichte fortzuführen. Ihre Suche nach einer erfüllenden, liebevollen, friedlichen und positiven Lebenswelt in Zeiten des aufkommenden Faschismus in Deutschland und der Welt musste einfach weitererzählt werden, aber ohne dabei den Humor zu verlieren.
Die Liebe und die Kraft der Musik spielen auch im zweiten Teil des Hörspiels wieder eine zentrale Rolle. Ein urbanes Fantasy-Hörspiel zwischen Dystopie, der Liebe zum Leben und trashigem Humor.
Wieviel Liebe und Hadern mit Ihrer Heimat Stuttgart und dem Leben im Kessel wird in den Geschichten verarbeitet ...?
Torsten Krill: So Einiges. Sowohl meine persönlichen als auch die Erfahrungen des Teams aus jungen Schauspieler:innen und die unserer beiden Töchter, die ebenfalls in Stuttgart leben, flossen in die Geschichte ein. Stuttgart 21 kommt nur als kleine Randnotiz darin vor. Es geht eher um die alltäglichen Dinge, die junge Menschen nicht nur im Kessel bewegen.

frimfram Collective
... und was macht Ihre Idee eine Dokumentation über die „vergessene“ Musik- und Künstlerszene Stuttgarts, wo so vieles begann, aber auch in Vergessenheit geraten ist, zu produzieren?
Torsten Krill: Die musste ich erstmal aufgrund einer Augenerkrankung zurückstellen, aber sie steht weiter auf der To-Do-Liste, sowie weitere Ideen, für die mir die Musik als alleiniges künstlerisches Ausdrucksmittel nicht ausreicht.
Was haben Sie aus dem ersten Teil und der ersten Produktion an Erkenntnissen gewonnen, die Sie in die zweite Produktion eingeflossen sind?
Torsten Krill: Da ich tatsächlich so viel positive Erfahrungen bei der Arbeit am ersten Teil des Hörspiels machen durfte, musste ich nicht viel an der Produktionsweise ändern. Durch die Erweiterung der Besetzung kamen zwar neue Herausforderungen in organisatorischer Hinsicht auf mich zu, aber auch das ließ sich, nicht zuletzt auch durch das kluge Mitdenken von Sophia Reisgies, die die Hauptfigur der Lotta P. spricht, gut in den Griff bekommen.
Die Geschichte hat diesmal mehr unterschiedliche Erzählstränge, die inhaltlich miteinander verwoben sind, weshalb auch die Anzahl der Schauspieler:innen angewachsen ist.
Bei den Sprachaufnahmen haben wir noch mehr Wert auf das gemeinsame szenische Spiel vor den Mikrofonen gelegt.
Den Soundtrack habe ich bereits im August 26 zusammen mit meiner Band "frimfram collective" einspielen können.
Ich freue mich jetzt auf die Nachbearbeitung der gesamten Sprach- und Musikaufnahmen und das Sound Design der Produktion, die hoffentlich im Frühjahr 2027 Premiere in Stuttgart haben wird. Gern wieder als Silent Listening Session im Foyer des Theater Rampe.
Eltern lesen weniger – sowohl für sich als auch mit ihren Kindern. Kinder verlieren dadurch wichtige Vorbilder, was sich auch auf die Lesekompetenz auswirkt, die kontinuierlich und alarmierend sinkt. Wäre das Hörspiel nicht das perfekte Wahlpflichtfach ab der Grundschule, wo Kinder und Jugendliche spielerisch und unter Einsatz von digitalen Medien das Lesen, Sprechen, Hören und das Digitale miteinander verbinden könnten?
Torsten Krill: Natürlich wäre das Hörspiel ein wunderbares Wahlpflichtfach! Ich hatte bereits die Möglichkeit zusammen mit dem Regisseur Lutz Magnus Schäfer Kurse für Kinder, Jugendliche und Lehrkräfte zu diesem Thema an der Landesmusikakademie Ochsenhausen zu geben. Das waren wichtige und schöne Erfahrungswerte.
Das Entwickeln einer Geschichte, die Ausarbeitung mit Spiel- und Sprechszenen, das gemeinsame Schreiben und Lesen der ausgearbeiteten Texte, die Produktion eigener Sound-Effekte und Geräusche, die Komposition der musikalischen Umrahmung, das Erstellen, Schneiden und Nachbearbeiten der Sprach-, Geräusch- und Musikaufnahmen, all das fördert nicht nur die Kreativität der Kinder, sondern auch das soziale Miteinander, die Organisationsfähigkeit und den sinnvollen, produktiven Umgang mit Digitaltechnik und freier Software.
Jetzt fehlt nur noch die Bildungsrevolution 😜
Making Off
Die Aufnahmen von Das Leben der Lotta P. im Tonstudio AREAL 51 in Stuttgart wurden mit der Kamera begleitet. Dabei sind auch kurze Interviews mit den Beteiligten gedreht worden.
Kamera, Fotos und Interview: Rob Stirner
Video Editing: Torsten K.
Interview mit Sophia Reisgies
Interview mit Leonie Ehrhardt
Interview mit Ismael Börner
Interview mit Paula Herzig
Interview mit Noah Malamas
Interview mit Nina Birringer
Interview mit Anna van Grootel
Interview mit Manuel Nero
Interview mit Tini Prüfert
Interview mit Lutz Magnus Schäfer
Interview mit Roland Baisch
