F.C. Gundlach, Uschi Obermaier, Hamburg 1970 | © F.C. Gundlach, Courtesy Stiftung F.C. Gundlach

Hamburg

9. Triennale der Photographie Hamburg 2026
Alliance, Infinity, Love – in the Face of the Other
11 Ausstellungen in 8 Museen und Kunstinstitutionen
05.06. – 22.09.2026

Vom 5. Juni bis zum 22. September präsentiert die 9. Triennale der Photographie Hamburg 2026 elf Ausstellungen in acht renommierten Museen und Kunstinstitutionen der Stadt. Das internationale Festival unter der künstlerischen Leitung von Mark Sealy aus London feiert die Bedeutung der Fotografie in unserer Zeit und zeigt, dass sie mehr kann als bloß beobachten: Fotografie kann Menschen verbinden und zum Nachdenken über Gerechtigkeit, Verantwortung und Menschlichkeit anregen. Das Thema der diesjährigen Triennale lautet: Alliance, Infinity, Love – in the Face of the Other. Diese drei Leitbegriffe bilden den roten Faden durch alle elf Ausstellungen und laden die Besucher*innen dazu ein, über die reine Betrachtung von Fotografie hinauszugehen und aktiv Teilnehmende einer gemeinsamen kulturellen Erfahrung zu werden.

Die 9. Triennale der Photographie Hamburg 2026 präsentiert 279 internationale Künstler*innen in elf Ausstellungen zum Thema Alliance, Infinity, Love – in the Face of the Other. Die Liste der beteiligten Künstler:innen ist ab sofort online einsehbar: 2026.phototriennale.de/kuenstler-innenliste/

F.C. Gundlach, „Jet Age“, Hamburg 1963 | © F.C. Gundlach, Courtesy Stiftung F.C. Gundlach

Alliance – Verbundenheit, Gemeinschaft, Solidarität

Der Begriff Alliance steht für Solidarität und gemeinsames Handeln, so beispielsweise in der Ausstellung von Franki Raffles. Photography, Activism, Campaign Works im Museum der Arbeit. Raffles war eine britische Fotografin, die in ihrem sozialdokumentarischen Werk die Arbeitsrealitäten von Frauen in den 1970er und 1980er Jahren in den Vordergrund stellte. Sie nutzte Fotografie als Werkzeug gegen Ungerechtigkeit – ob in Schottland, der früheren Sowjetunion, China oder Simbabwe – und verband als Aktivistin ihre Beobachtungen von sozialen und geschlechtsspezifischen Ungleichheiten mit einem Aufruf zu globaler Solidarität.

Die Ausstellung Bilderechos aus Peru im MARKK – Museum am Rothenbaum. Kulturen und Künste der Welt nimmt die historischen Fotografien und Tonaufnahmen aus der kolonial geprägten Vergangenheit des Landes, aufgenommen vom deutschen Amateurforscher Hans Heinrich Brüning (1848–1928), zum Anlass, um neue Perspektiven auf Identität, Erinnerung und kulturelle Selbstbestimmung zu ermöglichen. Von zeitgenössischen Akteur*innen, Wissenschaftler*innen und Künstler*innen aus Peru werden die historischen Dokumente neu interpretiert und in ein lebendiges Archiv verwandelt.

Lee Shulman und Omar Victor Diop, The Anonymous Project präsentiert Being There, 2023. | © Courtesy the artists

Auch die Einzelausstellung Whispers von Melike Kara im Kunsthaus Hamburg greift das Thema Alliance auf. In einer raumgreifenden Installation reflektiert Kara ihr kurdisches Erbe, das sie in den vergangenen Jahren erforscht, archiviert und künstlerisch verarbeitet hat. Im Fokus stehen dabei Fragen nach Identität, Erinnerung und Heilung. Alliance meint hier, Beziehungen neu zu denken, mit Verantwortung und gegenseitigem Respekt über kulturelle Zuschreibungen hinaus.

Die Ausstellung ABER ICH DIE WELT ICH SEHE DICH* der Hamburger Kunsthalle schafft eine philosophische und historische Grundlage für die Auseinandersetzung mit Fotografien, Filmen und Artefakten, die von persönlichen Erfahrungen, Mythen und Ideologien geprägt sind. In drei Sektionen reflektiert die Ausstellung über Landschaften der Erinnerung, die Transformation von Formen und die poetische und politische Kraft des Archivs. Anhand von Künstler*innen wie William Henry Fox Talbot, Marcel Duchamp, Jo Ractliffe, Akram Zaatari und Khadija Saye offenbart die Ausstellung das Bild als Ort der Verletzlichkeit, Spur und der profunden relationalen Tiefe. Um die Welt zu sehen – und sich selbst in ihr zu sehen – bedarf es einer Offenheit, die mit der Konstellation der kollaborativen Allianzen der 9. Triennale im Einklang steht. (*Rémy Zaugg)

Katharina Bosse, Untitled, 1999 | © Katharina Bosse | © VG Bild-Kunst, Bonn, 2026

Infinity – Unendlichkeit, Kontinuität, Differenz

Unter dem Begriff Infinity wird die Fotografie als ein Medium verstanden, das nicht bloß abbildet, sondern Blickwinkel eröffnet, die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft miteinander verbinden. Die ägyptische Künstlerin Sara Sallam untersucht in der Ausstellung Fürsorge. Fotografie neu ordnen im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, wie koloniale Bilder bis heute nachwirken. Mit Beispielen aus der archäologischen und fotografischen Sammlung des Museums entwickelt sie Gegenerzählungen zu den historischen Narrativen, die dazu einladen, die Vergangenheit neu zu betrachten. Unendlichkeit ist hier keine Abstraktion, sondern Verantwortung – und ein Appell an die unendliche positive Kraft der Menschheit.

Nina Porter experimentiert in ihrer ersten institutionellen Einzelausstellung im Kunstverein in Hamburg mit neuen Formen des Bildes, bei denen sich Fotografie und Skulptur vermischen. Ihre jüngsten Arbeiten lassen die Dynamik zwischen Kamera, Motiv und Bild implodieren. Das eine Medium stützt sich auf das andere, um seine Form zu finden, und so öffnen sich Wurmlöcher in weit entfernte Zukunftsszenarien für die analoge Fotografie.

Die Ausstellung Inner Mornings, or Forms of Counterculture in der Sammlung Falckenberg zeigt, ausgehend vom Werk der/des surrealistischen Fotograf*in und Autor*in Claude Cahun, künstlerischen Widerstand als kontinuierlichen Prozess: Die Arbeiten international renommierter Künstler*innen wie etwa Halil Altındere, Maja Bajevic, Bernd und Hilla Becher, Sophie Calle, Claire Chevrier, Jeremy Deller, Valie Export, Fischli & Weiss, Walid Raad, Martha Rosler und Wolfgang Tillmans hinterfragen gesellschaftliche Narrative und Machtverhältnisse, machen ästhetische Strategien der Irritation und des Widerstands sichtbar und erschließen alternative künstlerische, politische und imaginative Räume.

Akosua Viktoria Adu-Sanyah, gesture I – rinse, process, 34 min 22 seconds, 10th of June 2024, 19:31, Swiss Art Awards, Basel. Foto: Florian Spring

Love – Liebe, Menschlichkeit, Verantwortung

Im dritten Themenfeld der 9. Triennale steht das menschliche Miteinander im Mittelpunkt. Das PHOXXI zeigt mit Abdulhamid Kircher und Akosua Viktoria Adu-Sanyah zwei aktuelle Positionen, die sich experimentell und raumgreifend mit analoger Farbfotografie auseinandersetzen und deren emotionale Frequenzen aktivieren. Dabei wird die Dunkelkammer zu einem Raum der Reflexion,Transformation und Heilung, in dem persönliche Erfahrungen, Beziehungen und Erinnerungen verarbeitet und umgeformt werden. Die Fotografie wird hier als Medium der Annäherung greifbar und zugleich an ihre materiellen Grenzen geführt.

F.C. Gundlach, der bedeutende Modefotograf und Gründer der Triennale der Photographie Hamburg, legte als Sammler von Fotografie einen Schwerpunkt auf das Bild des Menschen in all seinen, auch emotional abgründigen und gesellschaftliche Normen sprengenden Facetten. Die Deichtorhallen Hamburg präsentieren mit Cocktail Prolongé. F.C. Gundlach special Werke aus seiner Sammlung, die den Körper fotografisch inszenieren: als Ausdruck von Identität und Freiheit, von Begehren und Verletzlichkeit, von Extravaganz und Queerness. Zu den rund 70 in der Ausstellung vertretenen Fotograf*innen zählen unter anderem Diane Arbus, Richard Avedon, Hans Bellmer, Larry Clark, Jiri Georg Dokoupil, Jenny Holzer, Robert Mapplethorpe, Irving Penn und Cindy Sherman.

Das Bucerius Kunst Forum präsentiert F.C. Gundlachs Werk als Dialog zwischen Mode, Menschen und Gesellschaft. Die Ausstellung You’ll Never Watch Alone zeigt Gundlach als Netzwerker, Fotograf, Sammler und Förderer. Zu sehen sind neben seinen ikonischen Fotografien auch unveröffentlichte Schwarzweiß- und Farbaufnahmen sowie Werke von Vorbildern, Weggefährt*innen und Nachfolger*innen. Die Ausstellung nimmt Gundlachs Werk als Ausgangspunkt, um die Entstehung der fotokulturellen Szene und die Relevanz von Fotografie für gesellschaftliche Strömungen zu beleuchten.

Nina Porter, R2C4191123, 2023 | Aus der Serie Measures. C-Typ-Kontaktabzug und C- Typ-Negativ im Rahmen der Künstlerin. 240 x 14 x 2,2 cm

Alliance, Infinity, Love

Die titelgebende Ausstellung der 9. Triennale der Photographie Hamburg 2026 Alliance, Infinity, Love – in the Face of the Other in der Halle für aktuelle Kunst der Deichtorhallen Hamburg wird vom künstlerischen Leiter Mark Sealy kuratiert. Sie richtet den Blick auf die zentralen Themen des Festivals und feiert die kulturelle und künstlerische Vielfalt der Fotografie, ihre heilende und transformative Kraft. Präsentiert werden rund 30 künstlerische Positionen aus Fotografie, Video und Film, die von unterschiedlichsten Orten und kulturellen Erfahrungen erzählen. Ihre Werke spiegeln persönliche Geschichten, die Freude an Gemeinschaft und fördern Zärtlichkeit, Würde und Nähe. Mit Arbeiten von Hélène Amouzou, Sandra Brewster, Didier Ben Loulou, Mario Cravo Neto, Rotimi Fani-Kayode, Mónica de Miranda, Tyler Mitchell, Lee Shulman und Omar Victor Diop, Inuuteq Storch, Matthew Thorne und Derik Lynch, Nil Yalter und anderen.

Die 9. Triennale der Photographie Hamburg 2026 steht für ein neues Verständnis von Sichtbarkeit. Die Fotografie zeigt auf, dass jeder Blick Verantwortung trägt. In einer von Konflikten geprägten Welt ist es das Ziel dieser Triennale, über die Komplexität des Menschseins nachzudenken. Wegweisende Handlungen aus Solidarität, in Offenheit und mit Standhaftigkeit in unserer Fähigkeit zu lieben, bringen uns in unserem Verständnis füreinander näher.