Ernst Ludwig Kirchner (1880-1938), Rathaus, Davos Platz, 1931, Öl auf Leinwand, 120x120 cm, Kirchner Museum Davos

Davos (CH)

Europa auf Kur. Ernst Ludwig Kirchner, Thomas Mann und der Mythos Davos
28.11.2021 - 30.10.2022

Seit mehr als 150 Jahren ist Davos ein symbolischer Ort, ein Kristallisationspunkt europäischer Kulturgeschichte und politischer Entwicklungen. Nirgendwo sonst verdichten sich die Hoffnungen und Sehnsüchte, die Ängste und Bedrohungen des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts in vergleichbarer Form. Die Allgegenwart gesundheitlicher Gefahren schaffte damals wie heute ein Gefühl der Dauerkrise. Gleichzeitig nährt der medizinisch-technologische Fortschritt den Wunsch nach einem langen, gesunden Leben. Die Hochgebirgsluft versprach Heilung von der Infektionskrankheit Tuberkulose, die Jahr für Jahr zigtausend Menschen dahinraffte. Davos erkannte seine Chance und wandelte sich seit 1870 in kürzester Zeit vom abgelegenen Bergdorf zum international renommierten Lungenkurort. Gleichzeitig begriff man das neue Potential des Sports und baute systematisch das bis heute gültige Image einer Wintersport-Destination auf. Davos gelang es immer wieder, sich neu zu erfinden. Erstmalig ist Davos Thema einer so umfangreichen Ausstellung. Der Ort steht exemplarisch für die Komplexität und Zerrissenheit der Moderne und macht europäische Kulturgeschichte sichtbar. Die Ausstellung zieht Verbindungslinien zwischen Medizin- und Kurgeschichte, Architektur, Wintersport, Kunst und Literatur, Philosophie und Politik. Sämtliche Schwerpunkte und Einzelaspekte werden in einem reich bebilderten Katalog vertieft und erweitert.

Kirchner Museum Davos | www.kirchnermuseum.ch

Tomi Ungerer: Zeichnung für Otto, 1999, Schwarzer Bleistift und lavierte Farbtinte, 29,7 × 21 cm, Collection Musée Tomi Ungerer – Centre international de l'Illustration Foto: Musées de la Ville de Strasbourg/Mathieu Bertola © Diogenes Verlag AG, Zürich/To

Hamburg-Harburg

Tomi Ungerer
It’s still about freedom
27.11.2021 – 24.4.2022

Tomi Ungerer (1931–2019) gilt als einer der einflussreichsten Zeichner, Illustratoren und Kinderbuchautoren. Publikationen wie Die drei Räuber, Heute hier, morgen fort und Der Nebelmann machten ihn weltberühmt. Darüber hinaus schuf Ungerer Plakate gegen den Vietnam-Krieg und  Rassenkonflikte, unternahm Milieustudien in der Hamburger Herbertstraße, verarbeitete zeichnerisch  kriegstraumatische Erinnerungen oder erstellte Großcollagen im Spätwerk.

In der großen Ausstellung TOMI UNGERER – IT’S ALL ABOUT FREEDOM zeigen die Deichtorhallen  Hamburg in der Sammlung Falckenberg in Zusammenarbeit mit dem Tomi Ungerer Estate und dem Musée Tomi Ungerer in Straßburg erstmals einen umfassenden Querschnitt durch neun Jahrzehnte  seines künstlerischen Schaffens – von Zeichnungen aus den 1930er-Jahren bis hin zu Objekten aus  den 2010er-Jahren. Die Ausstellung, die zum 90. Geburtstag von Tomi Ungerer eröffnet wird,  präsentiert knapp 400 Exponate und wirft ein neues Licht auf Ungerers Werk, indem sie die  politischen und stilistischen Linien und Brüche in seiner künstlerischen Dimension nachvollziehbar  macht. Mit zahlreichen unveröffentlichten Arbeiten sensibilisiert sie zudem für die künstlerische  Dimension seines umfangreichen Werkes, das etwa Bezüge zu Otto Dix, Lyonel Feininger und John Heartfield, aber auch zu Martin Kippenberger und Martha Rosler aufweist.

Sammlung Falckenberg | www.deichtorhallen.de

Félix Vallotton, Liegende Frau vor violettem Grund, 1924, Kunsthalle Bremen © Kunsthalle Bremen, Foto: Lars Lohrisch – ARTOTHEK 2

Heidelberg

Frauenkörper
Der Blick auf das Weibliche von Albrecht Dürer bis Cindy Sherman
24.10.2021 – 20.2.2022

Kontinuität und Wandel von Schönheitsidealen sowie unterschiedlichen Vorstellungen von Weiblichkeit nach. Damit berührt sie ein Thema, das auch für unsere Gegenwart höchste Aktualität besitzt.Sechs Ausstellungskapitel spannen einen Bogen von Albrecht Dürers revolutionären Aktdarstellungen um 1500 bis hin zur Auseinandersetzung mit dem weiblichen Körper in der digitalen Kunst. Nicht nur der schöne, verführerische, intakte Körper steht dabei im Fokus, sondern auch der verletzte, entstellte oder gealterte Frauenleib. Gezeigt werden Gemälde, Graphiken, Skulpturen, Fotos und Videos bedeutender Künstlerinnen und Künstler des 16. bis 21. Jahrhunderts, darunter Dürer, Rembrandt, Lovis Corinth, Käthe Kollwitz, Otto Dix, Max Beckmann, Maria Lassnig und Cindy Sherman. Das breite Spektrum internationaler Leihgaben, etwa aus Paris, Wien, Den Haag und Berlin, macht die Ausstellung zu einem herausragenden kulturellen Ereignis.

Kurpfälzische Museum|www.museum.heidelberg.de

Paula Modersohn-Becker, Selbstbildnis mit rotem Blütenkranz und Kette, 1906/07, Niedersächsisches Landesmuseum Hannover, Rut- und Klaus-Bahlsen-Stiftung, © Landesmuseum Hannover - ARTOTHEK

Frankfurt

Paula Modersohn-Becker
8.10.2021 – 6.2.2022

Keine andere deutsche Künstlerin der Klassischen Moderne hat in der öffentlichen Wahrnehmung einen solch legendären Status erreicht wie Paula Modersohn-Becker (1876–1907). In ihrem kurzen Leben schuf sie ein umfassendes und facettenreiches Œuvre, das über 100 Jahre zur Projektionsfläche wurde und bis heute fasziniert. Die Schirn Kunsthalle Frankfurt widmet sich vom 8. Oktober 2021 bis 6. Februar 2022 dem Gesamtwerk Paula Modersohn-Beckers und zeigt in einer umfassenden Retrospektive, wie entschieden sie sich über gesellschaftliche und künstlerische Konventionen ihrer Zeit hinwegsetzte und zentrale Tendenzen der Moderne vorwegnahm. Die Ausstellung versammelt in Frankfurt 116 ihrer Gemälde und Zeichnungen aus allen Schaffensphasen, darunter Hauptwerke, die heute als Ikonen der Kunstgeschichte gelten, etwa das Selbstbildnis am 6. Hochzeitstag (1906). Präsentiert wird ein aktueller Blick auf das Werk dieser frühen Vertreterin der Avantgarde. In der nach prägnanten Serien und Bildmotiven gegliederten Präsentation stehen insbesondere auch Modersohn-Beckers außergewöhnlicher Malduktus und ihre künstlerischen Methoden im Fokus, die zu einer vielfältigen Rezeption ihres Schaffens beitrugen.

SCHIRN KUNSTHALLE FRANKFURT | www.schirn.de

Marina Abramović Portrait with White Lamb Aus der Serie Back to Simplicity Farbpigmentdruck 2010 © Marina Abramović, VG Bild - Kunst, Bonn 2021 Courtesy of the Marina Abramović Archive

Tübingen

MARINA ABRAMOVIĆ
JENES SELBST / UNSER SELBST
24.7.2021 - 13.2.2022 

MARINA ABRAMOVIĆ fasziniert mit Performances, Filmen und zuletzt dem Opernprojekt 7 Deaths of Maria Callas weltweit ihr Publikum. Weniger bekannt ist, dass die Pionierin der PERFORMANCE ART in ihrer Anfangszeit in den 1970er Jahren bis ins Jahr 2000 auch in Tübingen, in der Galerie Ingrid Dacić, zu Gast war. Die Ausstellung der Kunsthalle Tübingen widmet sich jetzt erstmals den spirituellen Aspekten im Werk von Marina Abramović.

An die Tradition der europäischen Mystik anknüpfend, hat Marina Abramović in den letzten fünf Jahrzehnten ihres Schaffens einen undogmatischen, individuellen Zugang zum Transzendenten entwickelt, der die religiösen Traditionen um schamanistische, alchemistische und buddhistische Elemente erweiterte. Die von Nicole Fritz in enger Zusammenarbeit mit Marina Abramović und ihrem Studio kuratierte Ausstellung in der Kunsthalle Tübingen widmet sich erstmals den spirituellen Aspekten im Werk der Künstlerin und folgt ihrem Rite de Passage – ihrer Reise ins eigene Innere – an ausgewählten Hauptwerken. Am Ende ihrer Entwicklung steht die im wahrsten Sinne des Wortes selbstbewusste Künstlerin, engagierte Impulsgeberin und charismatische Performance-Lehrerin Marina Abramović, die ihre Erfahrungen in Workshops und dem von ihr gegründeten Marina Abramović Institute (MAI) weitergibt, um das Publikum in kollektiven Übungen über die Kunst wieder mit sich selbst in Kontakt zu bringen.

Kuratiert von Nicole Fritz in enger Zusammenarbeit mit Marina Abramović und ihrem Studio

Kunsthalle Tübingen|www.kunsthalle-tuebingen.de

Lynette Yiadom-Boakye Complication 2013 Private Sammlung © Courtesy Lynette Yiadom-Boakye

Düsseldorf

Lynette Yiadom-Boakye. Fliegen im Verbund mit der Nacht
16.10.2021 – 13.2.2022

Ab Oktober zeigt die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in K20 die erste umfangreiche Ausstellung „Lynette Yiadom-Boakye. Fliegen im Verbund mit der Nacht“ der Malerin in Deutschland. Diese Schau führt beispielhaft vor Au- gen, welche Kraft Malerei heute haben kann.  Lynette Yiadom-Boakye (*1977) ist Malerin. Sie erschafft fiktive Figuren, die sich in rätsel- haften, oft abstrakt oder zumindest unbestimmt bleibenden Räumen bewegen. Die Zeit scheint stillgelegt: Menschen ruhen, gehen, schauen, tanzen, sprechen, lachen und unter- halten sich, so wie es Menschen tun, und immer getan haben. Ihre figurativen Gemälde und Zeichnungen speisen sich aus verschiedenen Quellen: aus dem Studium des Lebens, aus Fotografien und aus Sammlungen gefundener Bilder. Bei ihrer Arbeit in Öl auf Lein- wand oder grobem Leinen konzentriert sie sich vor allem auf die Entwicklung einer Spra- che der Malerei, auf Zeichnung, Farbe, Maßstab und Komposition.

Daneben schreibt Lynette Yiadom-Boakye Prosa und Gedichte. Schreiben und Malen sind für sie voneinander getrennte Tätigkeiten. Als unterschiedliche Formen der Kreativität sind sie gleichwohl miteinander verflochten, beide durchzogen von Ideen der Fiktion, Erfindung, Rhythmus und von unendlichen Möglichkeiten. Für Lynette Yiadom-Boakye ist Malerei, ebenso wie das Schreiben, ein Medium der Kommunikation und des Verstehens, das über die Zeit und Orte hinausgeht.

K20 Kuntsammlung Nordrhein-Westfalen | www.kunstsammlung.de

Édouard Manet, Bildnis des Zacharie Astruc, 1866 Öl auf Leinwand, 90,5 x 116 cm Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen

Bremen

Manet und Astruc. Künstlerfreunde
23.10.2021 – 27.2.2022

Der weltberühmte Maler Édouard Manet gilt als einer der Väter des Impressionismus, der malende Kunstkritiker Zacharie Astruc ist heute hingegen weitgehend unbekannt. Ihre ungewöhnliche Freundschaft steht nun erstmals im Mittelpunkt einer Ausstellung. „Manet und Astruc. Künstlerfreunde“ (ab 23. Oktober 2021) veranschaulicht darüber hinaus mit Werken von Zeitgenossen wie Claude Monet, Henri Fantin-Latour und Pierre-Auguste Renoir den damaligen künstlerischen Kontext in Paris. Damit setzt die Kunsthalle Bremen die Reihe großer Ausstellungen zu französischen Malern des 19. Jahrhunderts wie van Gogh, Claude Monet, Gustave Caillebotte und Émile Bernard fort.

Ausgangspunkt der Ausstellung „Manet und Astruc. Künstlerfreunde“ (23. Oktober 2021 bis 27. Februar 2022) ist eines der bedeutendsten Meisterwerke aus der Sammlung der Kunsthalle Bremen: Das „Bildnis des Zacharie Astruc“ von Édouard Manet, das mehr als ein Porträt ist. Es ist ein Freundschaftsbild und ein ästhetisches Manifest. Das Bild versammelt alle Themen, mit denen sich Manet und Astruc intensiv beschäftigt haben, insbesondere Spanien und die Inspiration durch Diego Velázquez und Francisco de Goya, aber auch die japanische Kunst.

Die Ausstellung untersucht eben jene Themen und präsentiert eindrucksvolle, weltberühmte Meisterwerke Manets zusammen mit nahezu unbekannten Aquarellen und Skulpturen von Astruc. Erstmals wird der Dialog zwischen dem einzigartigen Maler Manet und der facettenreichen Persönlichkeit Zacharie Astruc verfolgt. Bis heute kennt man Astruc vor allem als Autor. Er war der erste Kritiker, der Manets Skandalbild „Das Frühstück im Grünen“ verteidigte. In Bremen wird er erstmals als Maler und Bildhauer vorgestellt.

Kunsthalle Bremen | www.kunsthalle-bremen.de

Pablo Picasso, Kopf einer lesenden Frau, 1953 Museum Ludwig, Köln © Succession Picasso/VG Bild-Kunst, Bonn 2021 Foto: Rheinisches Bildarchiv, Köln

Köln

Der geteilte Picasso
Der Künstler und sein Bild in der BRD und der DDR
25.9.2021 – 30.1.2022

Was verbinden wir mit Pablo Picasso? Und was haben die Deutschen der Nachkriegszeit mit ihm verbunden, als sein Ruhm auf dem Höhepunkt war? Weitaus mehr als wir: Das ist der Hauptgedanke dieser Ausstellung, die an eine vergessene Breite, Spannung und Produktivität der Aneignung erinnert. Nicht nur um den Künstler geht es hier, sondern um sein Publikum, das sich im kapitalistischen Westen und im sozialistischen Osten Picassos Kunst denkbar verschieden zurechtlegte. Der deutsche Picasso war ein geteilter und zerteilter, aber die Teilung beflügelte auch die Mitteilung: Weil jeder diese Kunst befragte, hatte sie allen etwas zu sagen.

Die Ausstellung zeigt politische Werke, etwa das Gemälde Massaker in Korea (1951) aus dem Pariser Musée Picasso. Neben sie treten rund 150 Exponate, die Picassos Werk in seinen Wirkungen spiegeln: Ausstellungsansichten, Plakate und Kataloge, Presseberichte, Briefe, Akten, Filme und Fernsehberichte, außerdem ein Theatervorhang aus dem Berliner Ensemble, auf den Bertolt Brecht „die streitbare Friedenstaube meines Bruders Picasso“ malen ließ.

Museum Ludwig | www.museum-ludwig.de